Treffpunkt Bayrischzell
Kunst und Kultur

Die Kunstausstellung Bayrischzell

Seit über siebzig Jahren zeigt Bayrischzell im Sommer Kunst, 2026 in der 72. Auflage. Eine Jury wählt 100 Werke aus rund 200 Einreichungen aus.

Jeden Sommer hängt in Bayrischzell Kunst an den Wänden, und das seit über siebzig Jahren. 2026 läuft die 72. Auflage. Damit gehört sie zu den ältesten Ausstellungen der Region.

8. August bis 4. September 202672. Kunstausstellung Bayrischzell

Pfarrzentrum St. Margareth, Mühlleitenstraße 6. Montag bis Samstag 13:00 bis 18:00 Uhr, Sonn- und Feiertage 11:00 bis 18:00 Uhr. Eintritt 4,00 Euro.

WasJurierte Kunstausstellung der Gemeinde Bayrischzell, 2026 in der 72. AuflageWann8. August bis 4. September 2026WoPfarrzentrum St. Margareth, Mühlleitenstraße 6, 83735 BayrischzellGeöffnetMo bis Sa 13:00 bis 18:00 Uhr, Sonn- und Feiertage 11:00 bis 18:00 UhrEintritt4,00 Euro, unter 16 Jahren frei, mit Gästekarte 3,00 Euro, Kultursprung-Mitglieder 2,00 EuroAuswahlunabhängige Jury aus drei Kunsthistorikerinnen und KunsthistorikernUmfang100 Exponate aus rund 200 eingereichten WerkenVeranstalterGemeinde Bayrischzell, Kirchplatz 2RahmenprogrammKunst und Betrachtung mittwochs 17 bis 19 Uhr (6 Euro), Art Walk donnerstags 16 bis 18 Uhr (4 Euro)

Wie das alles angefangen hat

Man muss sich die Zeit dazu denken. Der Krieg war fünf Jahre vorbei, im Ort lebten viele Menschen, die in den zerbombten Städten alles verloren hatten, und der Bedarf an etwas anderem als Wiederaufbau war groß. Aus dieser Lage heraus entstand hier eine Ausstellung, die es bis heute gibt.

  1. 1950Am 6. Dezember gründet sich in Bayrischzell ein Kulturkreis, nach dem Vorbild aus Schliersee. Treibende Kraft ist Dr. Rüdiger Sobotta, unterstützt von Josef Reible.
  2. 1952Die erste Kunstausstellung in Bayrischzell. Der Kulturkreis holt daneben Wissenschaftler für Vorträge ins Dorf, von der Physik bis zur Anthropologie, und organisiert Konzerte, Lesungen und Theaterfahrten nach München.
  3. 1953Im Rathaus stehen Kunst und Brauchtum nebeneinander. Der Termin fällt auf das Gaufest, entsprechend voll wird es. Unter den Gästen sind Prinz Ludwig und Prinzessin Irmgard von Bayern.
  4. 1959Künstler aus dem Leitzachtal, dem Schlierachtal und dem Mangfalltal schließen sich zur Künstlergilde Tatzlwurm zusammen. Angestoßen haben es Sobotta und der Kunstmaler August Riedel aus Osterhofen. Ab jetzt richten Kulturkreis und Gilde die Ausstellung gemeinsam aus.
  5. 1989Die Gemeinde Bayrischzell übernimmt und ist seitdem Veranstalterin.
  6. 2022Klaus Gogolin gibt die Leitung nach 18 Jahren an Burkhard Niesel weiter.
  7. 2026Die 72. Auflage, vom 8. August bis 4. September.

Wer von auswärts kam, durfte von Anfang an mit ausstellen. Das hat die Ausstellung über den Landkreis hinaus bekannt gemacht, und selbst Stadtpublikum, das einiges gewohnt war, zeigte sich von der Qualität beeindruckt.

Wer die ersten Jahrzehnte geprägt hat

Neben Sobotta ist Josef Reible zu nennen, der die Arbeit ehrenamtlich mittrug, und August Riedel, der über Jahre hinweg für die Kunst im Ort unterwegs war.

Wer die ersten zwei Jahrzehnte geprägt hat, listet die Chronik der Ausstellung auf: Leo Samberger, Albin Grau, Max Roßbach, Karl Wendl, Helmuth Andreas Volkwein, Bert Mallad, Sepp Happ und Kurt Kyriß. Herausgehoben wird dort der Tierbildhauer Philipp Harth, der weit über die Region hinaus bekannt war und die letzten Jahrzehnte seines Lebens in Bayrischzell verbrachte.

Der Mann am Eingang

Einen von ihnen habe ich selbst noch gekannt. Bert Mallad saß über Jahre am Eingang der Ausstellung und nahm das Eintrittsgeld ein. Als Kind bin ich dort gesessen, stundenlang, und nicht nur einmal, sondern über die ganze Ausstellungszeit hinweg.

Das lag an ihm. Er konnte erzählen, und er hatte eine ruhige, freundliche Art, bei der ein Kind nicht das Gefühl bekam, im Weg zu sein. Gemalt hat er selbst auch, Ortsbilder in Wasserfarben. Er hat versucht, möglichst realistisch zu malen, und gerade dadurch hatten seine Bilder etwas Naives. Genau deshalb mochte ich sie. Mallad, 1913 bis 1995, war Maler und Zeichner und hat vor allem München festgehalten, Straßenszenen und den Wiederaufbau nach dem Krieg. Seine Bilder werden bis heute im Kunsthandel gehandelt.

Wer sie heute macht

Die Gemeinde Bayrischzell hat die Ausstellung 1989 übernommen und ist seitdem Veranstalterin. Mit im Boot ist der Kulturverein Kultursprung, dessen Logo auch auf dem Ausstellungsplakat steht. Achtzehn Jahre lang lag die Organisation bei Klaus Gogolin, der sie 2022 an Burkhard Niesel weitergab. Der Termin liegt traditionell in den bayerischen Sommerferien.

Eine Jury entscheidet, nicht der Zufall

Der Punkt, der die Ausstellung von vielen anderen unterscheidet: Es hängt nicht auf, wer sich zuerst meldet. Eine unabhängige Jury aus drei Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern sichtet die Einreichungen und wählt aus rund 200 eingereichten Werken 100 Exponate aus.

Jede zweite Arbeit kommt also nicht hinein. Wer hier hängt, ist durch eine fachliche Auswahl gegangen, und das merkt man beim Rundgang.

Was zu sehen ist

Gezeigt werden Arbeiten von regionalen und überregionalen Künstlerinnen und Künstlern, und die Bandbreite ist größer, als man es bei einer Dorfausstellung erwarten würde: Acryl-, Aquarell- und Ölmalerei, Grafik, Video- und Fotokunst, Plastiken aus Stein, Bronze, Holz oder Ton, dazu Collagen und Objektkunst.

Die Räume im Pfarrzentrum sind professionell ausgestattet. Das ist kein Nebensatz, sondern der Grund, warum hier Werke dieser Güte überhaupt gezeigt werden können.

Der große Raum, in der Mitte Sitzgelegenheiten
Der große Raum, in der Mitte Sitzgelegenheiten
Die Gänge führen durch die ganze Ausstellung
Die Gänge führen durch die ganze Ausstellung
Zwischen den Wänden kann man sich hinsetzen und schauen
Zwischen den Wänden kann man sich hinsetzen und schauen
Über den Stellwänden das offene Dachgebälk
Über den Stellwänden das offene Dachgebälk
Blick durch die Ausstellung
Blick durch die Ausstellung

Im Foyer: Gräfin Haziga

Heuer kommt eine Sonderausstellung dazu. Im Foyer geht es um Gräfin Haziga, anlässlich der 950-Jahr-Feier des Ortes. Der Zutritt dorthin ist kostenfrei, auch ohne Karte für die Kunstausstellung.

Der Hinweis auf die Sonderschau zu Gräfin Haziga im Foyer
Der Hinweis auf die Sonderschau zu Gräfin Haziga im Foyer

Haziga gehört zur Gründungsgeschichte von Bayrischzell. Als die Einsiedler Otto und Adalbert 1076 hier eine Zelle mit Kirchlein errichteten, geschah das im Umfeld der Gräfin und der frühen Wittelsbacher. Daraus wurde wenige Jahre später das Kloster in der Zell, das 1085 nach Fischbachau verlegt wurde und später nach Scheyern kam. Der Ort ist geblieben, und deshalb feiert Bayrischzell in diesem Jahr 950 Jahre.

Nicht nur Bilder anschauen

Neben der Ausstellung selbst gibt es zwei Formate, bei denen man mehr mitbekommt als beim stillen Rundgang.

Bei Kunst und Betrachtung sind Künstlerinnen und Künstler mit in der Ausstellung und man kommt ins Gespräch. Termine sind jeweils Mittwoch, der 12. und der 26. August, von 17 bis 19 Uhr. Die Teilnahme kostet 6 Euro, der Eintritt ist darin enthalten.

Der Art Walk unter dem Titel Almvernissage goes Tal führt zum Skulpturenpfad und zur Kunst in den Schaufenstern im Ort. Treffpunkt ist der Pavillon im Kurpark, jeweils donnerstags von 16 bis 18 Uhr, unter anderem am 13. und 27. August und am 3. September. Die Teilnahme kostet 4 Euro.

Praktisches für den Besuch

Die Ausstellung liegt mitten im Ort, im Pfarrzentrum St. Margareth in der Mühlleitenstraße. Zu Fuß ist das von fast jeder Unterkunft im Ort aus zu machen, ein Auto brauchst du dafür nicht.

Geöffnet ist täglich: Montag bis Samstag von 13:00 bis 18:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen schon ab 11:00 Uhr. Für einen Regentag ist das die naheliegendste Adresse im Ort, und an heißen Tagen sind die Räume eine angenehme Pause.

Der Eintritt kostet 4 Euro. Wer unter 16 ist, kommt kostenlos hinein. Mit Gästekarte sind es 3 Euro, Mitglieder von Kultursprung zahlen 2 Euro.

Das Plakat vor dem Pfarrzentrum St. Margareth mit allen Terminen und Zeiten
Das Plakat vor dem Pfarrzentrum St. Margareth mit allen Terminen und Zeiten

Beim Laden der Karte werden Daten an OpenStreetMap übertragen.

  1. 1Pfarrzentrum St. Margareth

Tipp: Auf einen Eintrag in der Liste oder direkt in der Karte tippen.

Wenn du mehr Kunst sehen willst

Neben der Ausstellung im Pfarrzentrum gibt es in Bayrischzell den Künstlerweg: Kunst im öffentlichen Raum, verteilt über den Ort, mit QR-Codes an den Werken und Hintergrund zu jedem Künstler. Der läuft unabhängig von der Ausstellung und ist jederzeit begehbar.

Die Angaben zur Geschichte stammen aus der Chronik auf der Webseite der Kunstausstellung, dort steht sie ausführlicher, als sie hier Platz hat.