Der Wendelstein
1.838 Meter, zwei Bahnen
und die beste Aussicht der Region
Ausflugstipp ab Bayrischzell
Der Wendelstein
Manche behaupten, der Wendelstein sei der schönste Aussichtsberg der Bayerischen Voralpen. Darüber lässt sich streiten — aber über die Aussicht nicht. Von hier oben blickst du auf die Zentralalpen, der Großvenediger und die Zugspitze scheinen zum Greifen nah, unter dir das Leitzachtal auf der einen Seite, das Inntal auf der anderen Seite, hinter dir das Alpenvorland bis zum Horizont.
Ich war schon viele Male oben, zum Fotografieren, zum Filmen und einfach so. Der Wendelstein ist für mich einer der besten Ausflugsberge der Region — nicht weil er der höchste ist, sondern weil auf 1.838 Metern so viel zusammenkommt: Panorama, Geschichte, Technik, eine Höhle, eine Kirche, eine Sternwarte und zwei Bahnen, die dich hochbringen.
Seilbahn oder Zahnradbahn — was passt besser?
Von Bayrischzell aus nimmst du die Seilbahn ab Osterhofen — in sieben Minuten bist du oben. Die Talstation liegt nur wenige Kilometer vom Ortskern entfernt. Das ist der schnelle, direkte Weg und der, den ich fast immer nehme.
Die Zahnradbahn ab Brannenburg fährt von der Inntal-Seite. Sie braucht rund 25 Minuten, ist dafür aber ein Erlebnis für sich — die älteste aktive Zahnradbahn Bayerns, Baujahr 1912, durch Tunnel und Galerien, an der spektakulären Hohen Mauer vorbei. Für Leute mit Höhenangst, die sich in Seilbahnen unwohl fühlen, ist die Zahnradbahn die deutlich entspanntere Variante.
Im Rahmen meiner Dreharbeiten zum Wendelstein-Film bin ich mit beiden gefahren. Mein Fazit: Seilbahn wenn du schnell oben sein willst, Zahnradbahn wenn die Fahrt selbst Teil des Ausflugs sein soll. Ideal ist es, mit der einen hoch und der anderen runter zu fahren — das geht mit einem Kombiticket.
Die letzten 100 Höhenmeter — und warum sich jeder Schritt lohnt
Von der Bergstation zum Gipfel sind es etwa 20 Minuten. Der Weg ist gut ausgebaut und gepflegt, aber es ist hochalpines Gelände — feste Schuhe sind Pflicht, keine Bergschuhe, aber auch keine Sneakers. Manche Steine sind von den vielen Besuchern schon ziemlich glattgelaufen.
Streckenweise ist es anstrengend, besonders der letzte Treppenabschnitt weiter oben. Ich habe schon Leute getroffen, die wegen Höhenangst umgedreht sind — verständlich, an manchen Stellen geht es ordentlich runter. Aber der Weg ist für nicht-sportliche Menschen machbar, solange man sich Zeit nimmt und nicht hetzt. Langsam gehen, Pausen machen, Aussicht genießen.
Beeindruckend finde ich einen kurzen Abschnitt relativ weit unten, wo der Weg in den Berg hineinführt — dunkel, nass, kalt. Nur ein paar Meter, aber ein schöner Kontrast zum Panorama davor und danach.
Zurück geht es über den Panoramaweg — eine Alternative zum gleichen Weg, etwa 40 Minuten, landschaftlich reizvoll. Trittsicherheit erforderlich.
Logenplatz für die Alpen
Am Gipfel und an der Aussichtskanzel Gacher Blick hast du einen Rundblick, den kaum ein anderer Berg in der Region bietet. Vor dir die Zentralalpen — der Großvenediger, der Großglockner, die Zugspitze, alles zum Greifen nah. Unter dir das Leitzachtal mit Bayrischzell.
Deutschlands höchste Kirche — und ja, es ist eine Kirche
Das Wendelsteinkircherl wird oft als Kapelle bezeichnet, ist aber kirchenrechtlich eine echte Kirche — mit geweihtem Altar und einer Reliquie des heiligen Wendelin. Die Zugspitze hat nur eine Kapelle. Der Unterschied klingt klein, ist aber der Grund, warum der Wendelstein den Titel „höchste Kirche Deutschlands" tragen darf.
Gebaut wurde das Kircherl 1889/90 auf Initiative des Münchner Kunstprofessors Max Kleiber — dem gleichen Mann, der auch das Wendelsteinhaus und den Verein dahinter gegründet hat. Das Baumaterial wurde damals mit Maultieren und Holzkraxen hochgetragen, weil es die Zahnradbahn noch nicht gab. Kleiber selbst hat den Altartisch auf seiner eigenen Kraxe hochgeschleppt.
Besonders beeindruckend: das jährliche Patrozinium, bei dem die Messe im Freien gefeiert wird. Bei schönem Bergwetter ein Erlebnis, das man so nirgendwo anders bekommt.
Ehrliche Einschätzung: Faszinierend, aber kein Augenschmaus
Die Wendelsteinhöhle ist Deutschlands höchstgelegene Schauhöhle und geologisch eine Sensation — sie ist älter als die Alpen selbst. Wer sich für Geologie interessiert, wird begeistert sein.
Aber ich sage es ehrlich: Wer eine Tropfsteinhöhle mit spektakulären Formationen erwartet, wird enttäuscht sein. Es ist eine Karsthöhle, eine Kluft im Fels. Geologisch spektakulär, optisch eher nüchtern. Nach hinten wird es eng — ich habe schon einige Leute getroffen, die umgekehrt sind, weil sie sich in den schmalen Passagen unwohl gefühlt haben. Man muss sich stellenweise ducken, manche Stellen sind wirklich eng. Nicht gefährlich, aber psychologisch herausfordernd für manche.
Was ich schön finde: Den natürlichen Höhleneingang, an dem im Sommer noch Schnee und Eis liegt. Das allein ist den kurzen Abstecher wert.
Der Zugang erfolgt über 82 Stufen abwärts durch einen künstlichen Stollen. Der touristische Teil endet im sogenannten „Dom". Dahinter geht es nur noch für Höhlenforscher weiter.
Forschung auf 1.838 Metern
Am Gipfel betreibt die LMU München eine Sternwarte mit einem 2-Meter-Spiegelteleskop. Geforscht wird dort unter anderem zu extrasolaren Planeten und dunkler Materie. Der Wendelstein bietet laut den Astronomen Beobachtungsbedingungen, die mit Chile oder Hawaii vergleichbar sind — mitten in Bayern.
Für Besucher wurde eine Möglichkeit geschaffen, durch ein Fenster einen Blick auf das Teleskop zu werfen. Allerdings — und das finde ich ehrlich gesagt enttäuschend — war der Zugang bei meinen letzten Besuchen meistens abgesperrt. Ob sich das geändert hat, kann ich nicht sicher sagen.
Geführte Besichtigungen der Sternwarte gibt es an einzelnen Tagen mit Voranmeldung — vorher auf der Website der Wendelsteinbahn prüfen.
Restaurant, Geopark, Sender
Wendelsteinhaus: Das Panorama-Restaurant auf der Bergterrasse — das älteste ganzjährig bewirtschaftete Unterkunftshaus in den Bayerischen Alpen, gegründet 1883. Im Sommer spielen hier Musikkapellen aus den umliegenden Gemeinden auf. Für das leibliche Wohl zwischen Gipfelweg und Talfahrt genau der richtige Ort.
Geopark Wendelstein: 36 Schautafeln entlang des Gipfelwegs, die erklären, wie der Wendelstein entstanden ist — aus einem Korallenriff vor der Küste Afrikas, vor 230 Millionen Jahren. Klingt verrückt, ist aber belegt.
Sender des Bayerischen Rundfunks: Seit 1954 steht hier eine Sendestation, die fast ganz Oberbayern mit TV- und Radioprogrammen versorgt. Der 63 Meter hohe Sendemast ist von weitem sichtbar und gehört zum Erscheinungsbild des Gipfels.
Mondscheinfahrten mit der Zahnradbahn
Ein paar Mal im Jahr bietet die Zahnradbahn abendliche Mondscheinfahrten an. Abends auf dem Wendelstein, wenn die Tagestouristen weg sind und du den Berg fast für dich allein hast — das ist eine ganz andere Erfahrung als der normale Tagesbesuch. Wenn du die Gelegenheit hast, nimm sie wahr. Termine auf der Website der Wendelsteinbahn.
Wie du hochkommst
Seilbahn ab Bayrischzell/Osterhofen: Wenige Kilometer vom Ortskern entfernt. In sieben Minuten auf der Bergstation. Für Tagesgäste aus Bayrischzell der schnellste Weg.
Zahnradbahn ab Brannenburg: Von der Inntal-Seite, rund 25 Minuten Fahrzeit. Die entspanntere Variante, besonders für Familien und Menschen mit Höhenangst.
Kombiticket: Mit einer Bahn hoch, mit der anderen runter — das lohnt sich, weil du zwei komplett unterschiedliche Erlebnisse bekommst.
Zu Fuß: Möglich, zum Beispiel ab Osterhofen über Hochkreuth und die Wendelsteiner Almen. Etwa 14 Kilometer und rund 1.000 Höhenmeter. Ich war als Kind einmal zu Fuß oben — anstrengend, selbst damals.
Preise und Fahrplan: Ändern sich regelmäßig — für tagesaktuelle Infos, Betriebsstatus und Öffnungszeiten direkt auf wendelsteinbahn.de schauen.
Nimm dir Zeit. Wirklich. Ich habe schon viel zu viele Leute gesehen, die kurz hochfahren, einmal Foto machen und wieder runter. Dafür ist der Wendelstein zu schade. Fahr unter der Woche mit einer der ersten Bahnen, geh zum Kircherl, lauf den Gipfelweg hoch, schau dir die Höhle an und setz dich dann ins Wendelsteinhaus auf die Terrasse. Das ist ein halber Tag, der sich lohnt.
Der Wendelstein — ein filmisches Porträt
Über mehrere Jahre habe ich in Zusammenarbeit mit der Wendelsteinbahn einen Dokumentarfilm über den Berg produziert. Kein Werbeclip, sondern ein Langformat für Leute, die tiefer einsteigen wollen — Zahnradbahn, Seilbahn, Höhle, Kircherl, Sternwarte, Gipfelweg, alles drin. Der Film wurde dreimal aktualisiert, zuletzt 2016. Die Fakten stimmen weitgehend noch, manche Details haben sich verändert. Trotzdem — sehenswert.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen