Das Sudelfeld im Sommer
Zehn Minuten Fahrt,
eine andere Welt
Ausflugstipp ab Bayrischzell
Das Sudelfeld im Sommer
Die meisten kennen das Sudelfeld als Skigebiet. Aber im Sommer ist es ein komplett anderer Ort. Almwiesen, Kühe, Schafe, ein Speichersee, der aussieht wie ein Bergsee, und eine Ruhe, die man zehn Minuten Autofahrt unterhalb nicht für möglich halten würde.
Ich fahre mehrmals im Jahr hoch. Nicht zum Wandern oder Gipfelstürmen — einfach um kurz den Kopf frei zu kriegen. Hochfahren, um den See spazieren, am Absprungplatz der Gleitschirmflieger sitzen und aufs Leitzachtal runterschauen. Dann einkehren. Mehr braucht es nicht.
Warum ich immer wieder hochfahre
Ich bin kein Bergsteiger. Ich war noch nie auf dem Traithen, und selbst den Vogelsang oberhalb der Almen habe ich noch nicht gemacht — da braucht man schon festere Schuhe als Turnschuhe, und ich war bisher zu faul dafür. Was ich stattdessen mache: Ich fahre morgens hoch, bevor die Almen öffnen. Parke an der Walleralm oder Speckalm, gehe um den Speichersee, setze mich an den Absprungplatz der Gleitschirmflieger und schaue runter auf Bayrischzell und das Leitzachtal.
Das klingt nach wenig. Ist es auch. Aber genau darum geht es. Oben ist es still, die Luft ist anders, der Blick geht weit. Wenn du Almluft schnuppern willst, ohne dafür drei Stunden bergauf zu laufen, ist das Obere Sudelfeld der kürzeste Weg dahin.
Wer es abends schafft: Der Sonnenuntergang da oben ist ein Traum. Es gibt Leute, die fahren regelmäßig nur dafür hoch. Ich bin eher ein Vormittags-Mensch, aber ich würde es jedem empfehlen.
Umstritten, aber schön
Der Speichersee an der Walleralm wurde 2014/2015 für die winterliche Beschneiung gebaut — und die Kontroverse war groß. Ein massiver Eingriff in die Almlandschaft, keine Frage. Aber heute, ein paar Jahre später, muss ich sagen: Der See passt. Er fügt sich in die Landschaft ein, gibt dem ganzen Gebiet eine zusätzliche Dimension und sorgt für Fotomotive, die es vorher schlicht nicht gab.
Um den See führt ein Rundweg mit einigen Sitzbänken. Die Ausgleichsflächen drumherum haben sich zu echten Biotopen entwickelt — Amphibien, Insekten, Wildblumen. Wer aufmerksam hinschaut, sieht mehr als nur einen Beschneiungsteich.
Walleralm und Speckalm — wo es sich lohnt
Am Oberen Sudelfeld stehen zwei Almen direkt nebeneinander: die Walleralm und die Speckalm. Qualitativ vom Essen nehmen sich die beiden nicht viel — bei beiden bekommt man solide Almküche, Sonnenterrasse, Bergblick.
Ich kenne die Wirtsleute der Speckalm persönlich — die Wirtin ist eine frühere Arbeitskollegin, und mit ihrem Mann habe ich einiges zusammen gedreht. Zur Walleralm habe ich über die Wintersaison einen guten Draht entwickelt. Beide sind ehrliche Betriebe, bei denen man merkt, dass echte Leute dahinterstehen.
Weiter unten Richtung Oberaudorf gibt es die Grafenherberg und die Brösel Alm am Berghotel Sudelfeld — dort war ich bisher nicht persönlich, kann also nichts dazu sagen.
Hinweis: Die Parkplätze an Walleralm und Speckalm sind kostenlos. Einkehr ist aber erwünscht, wenn man dort parkt — und ehrlich gesagt: Man will ohnehin einkehren.
Was es gibt — auch wenn ich selbst kein Gipfelsammler bin
Ich bin der Falsche für detaillierte Tourenbeschreibungen auf den Traithen. Was ich dir aber sagen kann: Das Sudelfeld ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Wanderungen unterschiedlicher Schwierigkeit.
Für Einsteiger: Der Rundweg ums Obere Sudelfeld — am Speichersee vorbei, mit Blick auf Wendelstein und Inntal. Flach, familientauglich, gut in einer halben Stunde machbar.
Für Ambitioniertere: Der Vogelsang (1.563 m) liegt direkt oberhalb der Almen. Feste Schuhe sind Pflicht — keine Bergschuhe, aber auch keine Turnschuhe.
Für richtige Bergwanderer: Der Große Traithen (1.852 m) ab Parkplatz Rosengasse, oder das Brünnsteinhaus mit optionalem Klettersteig zum Gipfel. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind erforderlich.
Für die genauen Routenbeschreibungen empfehle ich Komoot oder den Alpenverein — das können die besser als ich.
Gleitschirm und Drachen am Vogelsang
Am Vogelsang oberhalb des Oberen Sudelfelds gibt es offizielle Startplätze für Gleitschirm- und Drachenflieger. Bei guten Bedingungen sieht man sie regelmäßig starten — ein schönes Bild, auch wenn man selbst am Boden bleibt. Tandemflüge sind buchbar, falls du es selbst ausprobieren willst.
Der Absprungplatz ist übrigens auch dann einen Besuch wert, wenn gerade niemand fliegt. Die Aussicht von dort runter ins Leitzachtal und auf Bayrischzell ist einer der besten Blicke, die ich kenne.
Tatzelwurm-Wasserfälle
Unterhalb des Sudelfelds, an der Straße zwischen Oberaudorf und Bayrischzell, liegen die Tatzelwurm-Wasserfälle. Lohnt sich der Abstecher? Ja. Die Fälle sind beeindruckend, und die Lage ist ziemlich abgelegen — was dem Ganzen einen besonderen Charakter gibt. Hier wurde übrigens auch schon für die ZDF-Serie „Frühling" gedreht.
Direkt daneben liegt ein Hotel, das mir von einer Bekannten, die dort kürzlich Urlaub gemacht hat, sehr empfohlen wurde. Persönlich war ich dort noch nicht — aber die Lage allein ist spektakulär.
Wie du hochkommst
Von Bayrischzell: Über die B307 Richtung Oberaudorf, Abzweigung aufs Sudelfeld. In etwa zehn Minuten bist du am Oberen Sudelfeld. Parken an Walleralm/Speckalm kostenlos.
Von Oberaudorf / Brannenburg: Von der Brannenburger Seite über die Mautstraße, kostet ein paar Euro und ist jeden Cent wert. Schöne Strecke mit Stellen zum Innehalten unterwegs. Von der Oberaudorfer Seite ist die Anfahrt kostenlos.
Weitere Parkplätze: Weiter unten am Sudelfeld gibt es gebührenpflichtige Parkplätze (Waldkopf, Grafenherberg, Rosengasse) — in der Regel 5 Euro. Oben an den Almen ist es kostenlos.
Fahr morgens hoch, bevor die Almen öffnen. Dann hast du das Obere Sudelfeld fast für dich allein. Einmal um den Speichersee, einmal zum Absprungplatz rüberschauen und runterschauen auf Bayrischzell. Ein besserer Start in den Tag ist in zehn Minuten Fahrtzeit von Bayrischzell aus schwer zu finden.
