Wetterstollen Deisenried

Unter Tage, auch im Sommer nasskalt

 

Wetterstollen Deisenried — Schaubergwerk bei Fischbachau

In der Nähe

Wetterstollen Deisenried

Es regnet, die Berge sind in Wolken, und du suchst etwas, das nichts mit Wandern zu tun hat? Dann fahr nach Deisenried. Dort gibt es seit 2025 ein Schaubergwerk, das die Bergbaugeschichte der Region zeigt — und das ehrlich gesagt beeindruckender ist, als ich erwartet hatte.

Ich war selbst drin und war überrascht, wie gut der Stollen hergerichtet ist. Leuchtstreifen am Boden, Exponate, Filme, Infotafeln — alles durchdacht, auch optisch. Aber was bleibt, ist nicht das, was man liest, sondern das, was man spürt: die Kälte, die Nässe, die Enge. Heimatgeschichte mit allen Sinnen.

Lage
Deisenried bei Fischbachau
Ab Bayrischzell
ca. 20 Min. mit dem Auto
Öffnungszeiten
Wochenenden & Feiertage, 13–16 Uhr
Eintritt
Erwachsene 6 €, Kinder ab 7 J. 4,50 €
Dauer
ca. 30–45 Min., mit Führung länger
Besonderheit
Barrierefrei zugänglich
Was einen erwartet

Unter Tage in 30 Minuten

Wetterstollen Deisenried Innenansicht

Der Wetterstollen ist kein riesiges Bergwerk, das man stundenlang durchwandert. In 30 bis 45 Minuten geht man einmal durch — vorbei an Originaltechnik, Werkzeugen und Ausrüstung der Bergleute, an Filmen und Infotafeln zur Geschichte des Kohlebergwerks Hausham. Es gibt ein Stollen-Kino, Mitmachstationen wie einen Presslufthammer zum Ausprobieren und für Kinder eine akustische Sprengung.

Ein Stück Geschichte, das man im Hinterkopf behalten sollte: Hier stand einmal der Deisenrieder Ventilator — wobei „Ventilator" untertrieben ist, das war eher eine Turbine, die 16.000 Kubikmeter Luft pro Minute durch den Berg gepumpt hat. Die Maschine selbst ist nicht mehr vor Ort, aber wenn man durch den Stollen geht und sich vorstellt, welche Technik hier einmal im Einsatz war, bekommt der Ort nochmal eine andere Dimension.

Aber ehrlich: Was den Stollen besonders macht, sind nicht die Exponate, sondern die Atmosphäre. Es ist kalt da drin, nasskalt, auch im Hochsommer. Man spürt, wie es war, dort unten zu arbeiten — nicht weil man es liest, sondern weil man es am eigenen Körper merkt. Dreidimensional, mit allen Sinnen.

Für wen?

Familien, Geschichtsinteressierte und Schlechtwetter-Flüchtlinge

Besucher im Wetterstollen Deisenried

Kinder werden sich nicht jede Infotafel durchlesen — müssen sie auch nicht. Sie kriegen einen Eindruck von der Welt unter Tage, können Sachen anfassen und erleben die Atmosphäre. Erwachsene, die tiefer einsteigen wollen, kommen mit einer Führung auf ihre Kosten — die dauert länger, ist aber deutlich informationsreicher als der Rundgang auf eigene Faust.

Man muss sich nicht für Bergbau interessieren, um hier etwas mitzunehmen. Selbst wer mit dem Thema nichts am Hut hat — die Atmosphäre allein ist es wert, mal drinnen gewesen zu sein.

Und: Der Stollen ist barrierefrei zugänglich. Auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen kommt man durch.

Die Geschichte

Vom Kohlebergwerk zum Schaubergwerk

Der Stollen wurde 1956 als Verbindung zur dritten Sohle der Haushamer Grube angelegt. 1957 ging der Deisenrieder Ventilator in Betrieb. Als die Haushamer Grube 1966 geschlossen wurde, wurde auch der Stollen stillgelegt — die Verfüllung war 1977 abgeschlossen.

Danach passierte jahrzehntelang nichts. Erst 2006 begann die Instandsetzung, 2017 wurde der Stollen ins Geotopkataster Bayern aufgenommen, 2019 kamen Fördermittel aus dem europäischen LEADER-Programm. Seit August 2025 ist der Wetterstollen als Schaubergwerk geöffnet. Dass es so lange gedauert hat, zeigt, wie viel Arbeit in dem Projekt steckt.

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Anfahrt & Praktisches

Wie du hinkommst

Mit dem Auto: Ab Bayrischzell ca. 20 Minuten. Richtung Fischbachau, dann weiter Richtung Bad Feilnbach bis Deisenried. Parkplatz direkt am Stollen (Wanderparkplatz Deisenried).

Öffentliche Verkehrsmittel: Direkte Anbindung gibt es nicht. Auto ist nötig.

Adresse: Feilnbacherstraße 135, 83730 Fischbachau

Kontakt: Tel. 08028 9056344, info@wetterstollen-deisenried.de

Wichtig: Nur an Wochenenden und Feiertagen geöffnet, 13–16 Uhr. Führungen nach Vereinbarung — wer eine will, vorher anrufen. Und: Jacke mitnehmen, auch im Sommer. Es ist kalt da drin.

Kombinieren

Was in der Nähe noch geht

Der Wetterstollen liegt nicht weit von Birkenstein entfernt. Wer beides an einem Tag kombinieren will, sollte die Öffnungszeiten des Stollens im Blick haben — der macht um 16 Uhr zu. Erst Birkenstein am Vormittag, dann Stollen am Nachmittag wäre eine sinnvolle Reihenfolge.

Mein Tipp

Nicht als Lückenfüller betrachten. Ja, der Wetterstollen ist ein guter Schlechtwetter-Tipp. Aber er ist mehr als das. Wer sich eine halbe Stunde Zeit nimmt und sich auf die Atmosphäre einlässt, erlebt ein Stück Regionalgeschichte, das es in dieser Form sonst nirgends gibt.