Der Maibaum

Wenn das Dorf zusammen anpackt

 

Maibaumaufstellen in Bayrischzell

Feste & Brauchtum

Maibaumaufstellen in Bayrischzell

Wenn in Bayrischzell ein Maibaum aufgestellt wird, steht das halbe Dorf am Platz. Die Männer ziehen den Baum mit der Hand hoch, die Musikkapelle spielt, die Plattler tanzen, und irgendwann steht er — 25 Meter oder mehr, kerzengerade, weiß-blau gestrichen. Drei bis vier Stunden dauert das. Dazwischen Bier, Brotzeit und eine Stimmung, die man schwer beschreiben kann.

Nicht jedes Jahr wird einer aufgestellt — nur wenn der alte morsch geworden ist und ersetzt werden muss. 2026 ist kein Maibaumjahr. Aber der Brauch gehört zu Bayrischzell, und diese Seite erzählt, wie er hier gelebt wird.

Termin
1. Mai (nur wenn neuer Baum nötig)
Maibäume im Gemeindegebiet
2 — Bayrischzell und Geitau
Aufstellen
Von Hand, mit Schwaiberl-Stangen
Dauer
3–4 Stunden
Status 2026
Kein Maibaumjahr
Letzter neuer Maibaum
Geitau 2025
Der Ablauf in Bayrischzell

Vom Versteck zum Festplatz

Maibaum-Festzug durch Bayrischzell

In den Wochen vor dem 1. Mai wird der Baum vorbereitet, geschmückt und versteckt — in Bayrischzell meistens im Klarerhof unten in Osterhofen. Inzwischen ist das ein offenes Geheimnis, aber bewacht wird trotzdem. So will es der Brauch: Burschen aus den Nachbarorten könnten versuchen, den Baum zu stehlen, und dann müsste er mit Bier und Brotzeit ausgelöst werden.

Am 1. Mai wird der Baum vom Klarerhof nach Bayrischzell gefahren. Offiziell beginnt der Festzug am alten Rathaus, von dort die Tiroler Straße und Schlierseer Straße hinauf zur Aufstellstelle neben dem Hotel Alpenrose — dem zweiten Ortszentrum von Bayrischzell, dort wo Schreibwarengeschäft und Metzger sind. Der Parkplatz wird zum Festplatz umgebaut.

Mit der Hand

Drei bis vier Stunden, bis er steht

Maibaum wird von Hand hochgezogen in Bayrischzell

Der Maibaum wird in Bayrischzell mit der Hand hochgezogen — mit langen Hebelstangen, den sogenannten Schwaiberl. Meter für Meter, Stange für Stange. Es sind die Männer des Orts, nicht nur Vereinsmitglieder — wer helfen will, hilft. Ein Baufahrzeug steht zwar daneben, aber nur zur Sicherung, nicht zum Ziehen.

Das dauert drei bis vier Stunden. Dazwischen spielt die Bayrischzeller Musikkapelle, die Plattler zeigen ihre Einlagen, es gibt Bier und Verpflegung. Es ist kein Spektakel für Zuschauer — es ist eine Gemeinschaftsleistung, bei der man zuschaut und mittrinkt.

Geitau

Der Ortsteil hat wieder einen eigenen Maibaum

Maibaumaufstellen in Geitau 2025

Geitau hatte lange Zeit keinen eigenen Maibaum. 2025 wurde erstmals wieder einer aufgestellt — ebenfalls von Hand, ebenfalls mit Schwaiberl. Derselbe Ablauf, kleinerer Rahmen, aber genauso viel Gemeinschaft.

Bayrischzell und Geitau stellen getrennt auf — nicht aus Konkurrenz, sondern weil es schlicht nicht genug Helfer gibt, um zwei Feste gleichzeitig zu stemmen. Unterschiedliche Bäume, unterschiedliche Tage.

So sieht das aus

Geitau 2025 — über 200.000 Aufrufe

Beim Maibaumaufstellen in Geitau 2025 war ich mit der Kamera dabei. Das Reel ging viral — über 200.000 Aufrufe auf Instagram. Wer sehen will, wie das abläuft, hier ganz unten auf der Seite ist der Mitschnitt.

Hintergrund

Was es mit dem Maibaum auf sich hat

Der Maibaum ist eines der ältesten Brauchtümer in Bayern. Die Wurzeln reichen in vorchristliche Zeit zurück — ein Fruchtbarkeits- und Gemeinschaftssymbol, das Gedeihen, Glück und Segen bringen soll. Erste schriftliche Belege gibt es schon aus dem 13. Jahrhundert.

Der Baum ist in der Regel eine hohe, kerzengerade Fichte oder Tanne — geschält, gewaschen, weiß-blau gestrichen. Am Stamm hängen Holztafeln und Figuren, die das örtliche Handwerk und Vereinsleben zeigen: Metzger, Bäcker, Musikkapelle, Feuerwehr. Der Maibaum erzählt, was es in einem Ort gibt und wer dort lebt.

Dass der Baum mit der Hand aufgestellt wird und nicht mit einem Kran, ist in Bayrischzell kein Zufall — es ist Ehrensache. Es gibt Orte, die das anders handhaben. Hier nicht.

Das Stehlen

Ungeschriebene Regeln, ernste Sache

Zwischen Ende März und dem 1. Mai gilt: Der Maibaum ist Freiwild — zumindest theoretisch. Burschen aus Nachbarorten versuchen, den unaufgestellten Baum aus seinem Versteck zu entwenden und über die Gemeindegrenze zu bringen. Gelingt das, müssen die Bestohlenen ihn auslösen — mit Bier und Brotzeit für die Diebe.

Mehr Eindrücke aus Bayrischzell gibt es auf meinem Instagram-Kanal.

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