Birkenstein

Ein Ort zum Innehalten —

seit 350 Jahren

Wallfahrtskirche Birkenstein bei Fischbachau

In der Nähe

Wallfahrtskirche Birkenstein

Es gibt Orte, an die man geht, wenn man runterkommen will. Birkenstein ist so einer. Eine kleine Wallfahrtskirche auf einem Felsen im Leitzachtal, zwischen Fischbachau und dem Breitenstein, seit 1673 ein Ort, an dem Menschen Trost suchen, beten, hoffen — oder einfach still sein wollen.

Ich war öfter in Birkenstein, gerade in einer Zeit, in der meine Frau schwer krank war. Es ist kein Ort, den man groß erklärt. Man geht hin, setzt sich, lässt es wirken. Wer das braucht, versteht es sofort. Wer damit nichts anfangen kann, fährt trotzdem nicht umsonst hin — allein der Innenraum ist außergewöhnlich.

Lage
Birkenstein bei Fischbachau, ca. 855 m
Ab Bayrischzell
Über Geitau mit Rad oder zu Fuß
Erste Kapelle
1673, Holzkapelle auf dem Felsen
Heutiger Bau
1710, Loreto-Kapelle
Innenausstattung
Rokoko, um 1760 — 92 Engel am Altar
Charakter
Wallfahrtsort, Kraftort, Stille
Der Ort

Eine Kapelle auf einem Felsen

Wallfahrtskirche Birkenstein Außenansicht

Birkenstein steht auf einem Felsvorsprung unterhalb des Breitensteins — eine doppelgeschossige Anlage, unten ein Sockelbau mit Kreuzweg-Stationen und einer Heilig-Grab-Kapelle, oben die eigentliche Kapelle mit steilem Satteldach und Zwiebelhaube. Eine umlaufende Laube mit Freitreppe führt nach oben. Malerisch ist das richtige Wort, auch wenn es abgegriffen klingt.

Der Ursprung geht auf eine Legende zurück: Im 17. Jahrhundert soll dem Fischbachauer Pfarrer und zwei Bauern die Gottesmutter erschienen sein mit dem Wunsch, an diesem Ort verehrt zu werden. 1673 wurde eine erste Holzkapelle auf dem Felsen errichtet. Der Pilgerstrom wuchs schnell, und 1710 entstand der heutige Bau — als Nachbildung des Heiligen Hauses von Nazareth, nach dem Vorbild der Loreto-Kapelle in Mittelitalien.

Der Innenraum

Überladen, aber wunderschön

Der erste Eindruck: überladen. Der zweite: wunderschön. Die Innenausstattung aus der Zeit um 1760 ist Rokoko in seiner intensivsten Form. Der Kulissen-Hochaltar zeigt das Gnadenbild der Maria mit dem Jesuskind, umgeben von einem Kranz aus 92 Engeln. Darüber Gottvater, über dem Chorbogen die Verkündigungsgruppe. Die Seitenwände sind dicht mit vergoldeten Schnitzereien, Votivtafeln und Heiligenbüsten besetzt.

Als Loreto-Kapelle hat Birkenstein bestimmte Merkmale, die es haben muss: Ziegelwände, ein Küchenschrank und ein Ofen der Maria hinter dem Hochaltar, und ein dunkelblaues Tonnengewölbe mit Sternenhimmel darüber. Alles da — und wer das weiß, sieht den Raum mit anderen Augen.

Zahlreiche Votivgaben und -bilder dokumentieren Gebetserhörungen seit dem 18. Jahrhundert. Kriegsangst, Krankheiten, persönliche Not — die Themen waren damals dieselben wie heute.

Die Loreto-Geschichte

Warum diese Kapelle aussieht wie ein Haus in Nazareth

Die Geschichte klingt abenteuerlich, ist aber historisch gut belegt: Im Mittelalter brachten Kreuzfahrer das Haus, in dem Maria aufgewachsen sein soll, aus dem Heiligen Land nach Loreto in Mittelitalien. Dort wurde es zum größten Wallfahrtsort Europas.

Da Loreto für die meisten Gläubigen unerreichbar weit weg war, begann man in der Barockzeit, das Heilige Haus nachzubauen — zuerst in Tirol, dann in ganz Bayern. Die Wittelsbacher waren stark mariengläubig, Kurfürst Max I. führte sogar eine Rosenkranzpflicht in Bayern ein. In diese Zeit fällt auch der Bau der Loreto-Kapelle in Birkenstein 1710.

Eine echte Loreto-Kapelle muss bestimmte Merkmale aufweisen: Ziegelmauern, einen Küchenschrank, einen Ofen und ein dunkelblaues Tonnengewölbe. Birkenstein hat das alles. Wer das vorher weiß, erkennt es sofort — und versteht, warum dieser kleine Raum so viel mehr ist als nur eine hübsche Dorfkapelle.

Mehr als Glaube

Ein Ort, der auch messbar besonders ist

Für Gläubige ist Birkenstein ein Muss — einer der bedeutendsten Marien-Wallfahrtsorte in Oberbayern, mit ungebrochenem Pilgerstrom seit über 350 Jahren. Aber auch wer mit Kirche nicht viel am Hut hat, spürt hier etwas.

Im Gespräch mit Andreas Estner, Journalist beim Bayerischen Rundfunk und Autor eines Buches über Birkenstein, habe ich erfahren, dass Messungen gezeigt haben, dass die Kapelle an einem Ort steht, der auch physikalisch besonders ist. Was genau das bedeutet, darüber kann man streiten. Aber es passt ins Bild: Birkenstein ist ein Ort zum Innehalten, zum Beten, zum Hoffen. Oder einfach zum Stillesein.

Podcast

Birkenstein — Verborgene Geschichten, Kriegsjahre und ein Ort voller Bedeutung

In dieser Folge von Talgeschichten spreche ich mit Andreas Estner — Journalist beim Bayerischen Rundfunk, Autor und Musiker aus dem Leitzachtal — über Birkenstein, seine Geschichte und die Menschen, die mit diesem Ort verbunden sind. Über die Loreto-Kapelle, die Zeitzeugen des Kriegsendes, die nie jemand vorher befragt hat, und darüber, was einen Ort zu einem besonderen Ort macht. Ein Gespräch, das weit über die Kapelle hinausgeht.


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Weitere Informationen


Buchtipp

Birkenstein — Wo sich Himmel und Erde berühren

Buch: Birkenstein – Wo sich Himmel und Erde berühren von Andreas Estner

Wer nach dem Besuch in Birkenstein tiefer einsteigen will, dem empfehle ich das Buch von Andreas Estner — dem Journalisten, mit dem ich auch im Podcast gesprochen habe. Es ist das erste größere Buch über Birkenstein seit 150 Jahren und erzählt die Geschichte von Kapelle, Kloster und Wallfahrt mit über 240 Bildern und einer DVD mit der Kapellenführung von Schwester Eresta Mayr, die 64 Jahre in Birkenstein gelebt hat.

Hardcover, durchgehend farbig, inklusive Film über die Kapelle. Erhältlich im Buchhandel, in den Tourismusbüros Fischbachau und Bayrischzell, bei Schreibwaren Grimm in Bayrischzell oder direkt beim Autor.

Andreas Estner: Birkenstein — Wo sich Himmel und Erde berühren
Leitzachtal Verlag, 2023 · ISBN 978-3-00-076201-7 · 39,– €
andreasestner.de

Anfahrt ab Bayrischzell

Wie du hinkommst

Weg nach Birkenstein über Geitau

Mit dem Rad oder zu Fuß über Geitau: Das ist der direktere Weg ab Bayrischzell. Es geht leicht bis mittelstark bergauf. Mit dem Mountainbike gut machbar, zu Fuß etwas länger, aber landschaftlich schön.

Über Aurach und Fischbachau: Der etwas längere Weg, aber flacher. Auch mit dem Auto möglich — Parkplätze sind vorhanden, allerdings nicht besonders viele.

Mit dem Auto: Über die B307 Richtung Fischbachau, dann Beschilderung Birkenstein folgen. An schönen Tagen frühzeitig da sein, die Parkplätze füllen sich schnell.

Kombinieren

Was man mit Birkenstein verbinden kann

Höhenweg Alpenpfade Leitzachtaler Bergblicke: Ab der Wallfahrtskirche führt ein sehr schöner Wanderweg mit Blicken hinunter ins Leitzachtal. Als Endpunkt bietet sich die Schwaigeralm an — bekannt als Drehort des „Carpe Diem" aus der ZDF-Serie Frühling. Mehr zum Carpe Diem im FAQ

Martinsmünster Fischbachau: Die romanische Pfarrkirche im Ort ist einen kurzen Abstecher wert, wenn man ohnehin in Fischbachau ist.

Pfarrkirche Bayrischzell: Wer sich für Sakralbau interessiert, kann den Besuch in Birkenstein mit der Pfarrkirche in Bayrischzell verbinden — zwei sehr unterschiedliche Kirchen, die zusammen ein Bild von der religiösen Landschaft der Region geben.

Mein Tipp

Fahr mit dem Rad über Geitau hin, nimm dir Zeit in der Kapelle, und geh danach den Höhenweg zur Schwaigeralm. Das ist ein halber Tag, der mehr bringt als die meisten Ganztagsausflüge. Und wenn du mal einfach Ruhe brauchst — Birkenstein funktioniert auch ohne Wanderung. Hinsetzen, atmen, fertig.