Schwimmbad und Kneippanlagen in Bayrischzell
Sommer in Bayrischzell
Sommer in Bayrischzell
Das Schwimmbad und die vier Kneippanlagen
Bayrischzell ist heilklimatischer Luftkurort — das wird heute weniger groß plakatiert als früher, gepflegt wird es trotzdem. Sichtbar wird das vor allem an fünf Stellen im Ort: dem Alpenfreibad und den vier Kneippanlagen, die übers Gemeindegebiet verteilt sind.
Ich bin selten zum Bahnenziehen unterwegs und kneippe auch nicht jeden Tag. Trotzdem komme ich an allen fünf Stellen regelmäßig vorbei — und habe pro Anlage eine andere Geschichte.
Frisch saniert — und dass wir es noch haben, war zwischendurch nicht sicher
Schon nach dem Ersten Weltkrieg gab es im Ort die Idee, ein Freischwimmbad zu bauen. Heute, gut hundert Jahre später, steht hier das Alpenfreibad immer noch an der Michael-Meindl-Straße — komplett saniert Anfang 2023, rund 1,5 Millionen Euro Investition, mit Luftwärmepumpe, Photovoltaikanlage, neuer Schwimmbadtechnik und neuem Edelstahlbecken.
Dass das Bad heute überhaupt noch in Betrieb ist, war zwischendurch nicht selbstverständlich. Eine Schließung stand zeitweise im Raum. Für einen Ort mit knapp 1.600 Einwohnern ist es nicht trivial, so eine Anlage zu halten — wer hier groß geworden ist, weiß das zu schätzen.
Was nach der Sanierung anders ist: Der alte Einschwimmkanal ist verschwunden. Insgesamt ist das Bad etwa ein Drittel kleiner geworden. Was bleibt, sind zwei 25-Meter-Bahnen für die Schwimmer, ein Sprungbereich mit 1-Meter-Brett und 3-Meter-Turm, eine Rutsche, ein Kinder- und ein Babybecken, ein Bistro mit Sonnenterrasse — und die alte Wärmehalle, die noch in Betrieb ist. Für unseren Ort ist das immer noch reichlich.
Vom Fahrtenschwimmer zum Stammgast im Bistro
Ich habe hier als Kind alle Schwimmkurse gemacht, bis hoch zum Fahrtenschwimmer. Meine eigenen Kinder waren als Jüngere gerne im Bad — das wird mit dem Alter erfahrungsgemäß weniger, irgendwann sind andere Orte interessanter.
Heute bin ich öfter dort als die meisten denken. Allerdings selten zum Baden. Ich sitze regelmäßig im Bistro, das 2026 von Franzi Müller betrieben wird — mit ihr habe ich auch eine Folge von Talgeschichten aufgenommen.
Damals als Jugendlicher war ich bei der Einweihung des Einschwimmkanals und der Wärmehalle dabei. Den Kanal gibt es nicht mehr, die Halle steht. Trotz Verkleinerung empfinde ich das Bad immer noch als groß und ruhig im Vergleich zu anderen Anlagen im Landkreis — überfüllt ist es selten.
Fr 9–21 Uhr
Sa & So 9–19 Uhr
Tel. 08023 1019
Die aktuellen Eintrittspreise stehen auf bayrischzell.de. Sie sind nach wie vor human gehalten, das Bad ist kein teures Vergnügen.
Frühschwimmer am Morgen, Familien am Nachmittag
An normalen Tagen ist morgens vor allem die Stammtruppe der Frühschwimmer im Bad — wenig los, gute Zeit für ruhige Bahnen. Voll wird es typischerweise nachmittags. An den ganz heißen Tagen ist es eh den ganzen Tag voll, da gibt es keinen Trick. Wer Ruhe sucht, kommt vormittags.
Die andere Wasser-Seite des Ortes
Die vier Kneippanlagen
Vier Kneippanlagen für einen 1.500-Einwohner-Ort sind viel. Sie sind über das ganze Gemeindegebiet verteilt: eine zentral im Ort, eine in Osterhofen, eine in Geitau, eine versteckt am Seeberg. Drei wurden in den letzten Jahren saniert, eine ist absichtlich so geblieben, wie sie ist.
Ich gehe an allen vier vorbei. Selten zum klassischen Wassertreten — eher, weil jede Anlage ihre eigene Lage hat. Hier mein Eindruck zu jeder.
Hinter der Schönbornkapelle — der Treffpunkt
Die zentrale Anlage liegt etwas oberhalb des Ortes, hinter der Schönbornkapelle. Saniert 2016, mit Wassertretbecken, Barfußpfad und Himmelsliegen. Genau das macht sie zum Treffpunkt — am Wochenende ist es inzwischen Dauerbetrieb, selten findet man sie ungenutzt.
Ich bin selber oft oben, meistens aber nicht zum Kneippen. Es ist einfach eine sehr schöne Stelle zum Sitzen und Schauen — der Blick über den Ort, die Berge, die ruhige Atmosphäre. Einmal habe ich hier Simone Thomalla getroffen, bevor sie nach Schliersee gezogen ist.
Wer Frühling-Fan ist: In Staffel 15 wurde eine Szene direkt an dieser Anlage gedreht.
Parken: Direkt vor der Anlage, wenn man Glück hat. Offizielle Parkplätze sind es nicht, verboten ist es aber auch nicht. An Wochenenden oft belegt.
Am Bahnhof — kurzer Weg von der Wendelsteinbahn
Die Osterhofener Anlage liegt direkt am Bahnhof Osterhofen, ein paar Schritte von der Talstation der Wendelsteinbahn entfernt. Saniert 2021, mit neuer Blühwiese, Insektenhotel und Himmelsliege.
Ich gehe gerne abends hin, gerade in den Sommermonaten, wenn die Sonne hinter dem Berg verschwindet. Das Becken ist nach einer Wanderung der ehrlichste Test: kalt, klar, sofort spürbar.
Parken: Eigene Parkplätze gibt es an der Anlage nicht. Die nächste Möglichkeit ist der gebührenpflichtige Parkplatz an der Talstation der Wendelsteinbahn. Wer mit der Wendelsteinbahn unterwegs ist, hat sie eh fast vor der Tür.
Klein, alt, mit Wendelsteinblick
Die Anlage in Geitau ist die älteste der vier und die kleinste. Hier wurde in den letzten Jahren nichts groß erneuert — das Becken ist überschaubar, die Substanz aus einer anderen Zeit. Genau das ist der Reiz. Während die anderen drei aufgewertet wurden, blieb diese hier so, wie sie ist.
Was sie trotzdem ausmacht: die Lage. Vom Becken aus geht der Blick direkt auf den Wendelstein. Diese Kombination — kleines, ursprüngliches Wassertretbecken und großes Bergpanorama — hat keine der anderen Anlagen.
Parken: Am Bahnhof Geitau gibt es Stellplätze, von dort ist es ein kurzer Weg.
Versteckt am Wanderweg Richtung Zipflwirt
Die vierte Anlage liegt hinten am Seeberg, am Wanderweg in Richtung Zipflwirt. Sie wird von einem Gebirgsbach gespeist, der direkt vom Seeberg herunterkommt — anders als bei den drei innerorts, wo das Wasser aus der Leitung kommt.
Für mich ist es vor allem ein Fotostop. Alle paar Wochen komme ich hier vorbei. Die Stelle ist idyllisch und liegt so weit weg vom Ort, dass selten jemand anderes da ist.
Parken: Direkt an der Anlage gibt es keinen Parkplatz — wer hin will, kommt zu Fuß über den Wanderweg.
Heilklimatischer Luftkurort und der „Wassermarsch"
Den Titel „heilklimatischer Luftkurort" trägt Bayrischzell schon lange — früher stand das im Tourismus-Vordergrund, heute weniger. Anerkennung und Pflege gibt es weiter, nur die Vermarktung ist anders geworden.
Wer die vier Kneippanlagen als Tour kombinieren will: Die Tourist-Info hat eine Broschüre zum Kneipp-Weg „Der Wassermarsch", der die Stationen verbindet. Ich gestehe, bewusst gegangen bin ich diesen Weg selber noch nie — die Anlagen kenne ich einzeln, nicht als zusammenhängenden Rundweg.
Im Becken auf der Stelle treten oder im Storchenschritt gehen, bei jedem Schritt einen Fuß ganz aus dem Wasser ziehen. Nicht abtrocknen, sondern das Wasser nur mit den Händen von den Beinen streichen. Danach in Bewegung bleiben, bis die Beine wieder warm sind. Der Effekt: Kreislauf wird munter, die Durchblutung kommt in Schwung — und nach einer Wanderung ist es das schnellste Mittel gegen müde Beine.
