So haben die Leute wirklich gelebt

Im Freilichtmuseum von Markus Wasmeier

Blick über das Markus Wasmeier Freilichtmuseum in Schliersee mit historischen Bauernhäusern

In der Nähe

So haben die Leute wirklich gelebt — im Freilichtmuseum von Markus Wasmeier

Schliersee-Neuhaus, zwölf Auto-Minuten von Bayrischzell. Ein Bericht vom ersten Besuch — Nachbesuch im Wirtshaus folgt im Mai.

Mehr als zwanzig historische Höfe, Häuser und eine Kapelle aus dem bayerischen Oberland, Stein für Stein abgetragen und hier wieder aufgebaut. Dazu Schmied, Schuster, Bäcker, Brennerei, Tiere, Gärten. Ein ganzes Dorf aus dem 18. und 19. Jahrhundert — begehbar, anfassbar, und wenn man die Nase reinhält: riechbar.

Anfahrt ab Bayrischzell
ca. 12 Min mit dem Auto
Zeit vor Ort
3,5–4 Stunden mit Einkehr
Eintritt Erwachsene
10,90 € (Stand April 2026)
Kinder bis 15 Jahre
Freier Eintritt
Öffnungszeiten
Di–So, 10–17 Uhr
Saison
Ende März bis Anfang November
Mein Eindruck

In der Alm wurde mir still

Spartanischer Innenraum der Kasalm im Wasmeier Freilichtmuseum

Ich stand in der kleinen Alm und dachte: Wow. So haben die Leute früher wirklich gelebt. Holzpritschen, nichts sonst. Kein Licht außer dem durchs Fenster. Kein Wasser außer im Eimer. Keine Dämmung außer den dicken Balken.

Das war der Moment, in dem dieses Museum für mich gekippt ist — von „Ausstellung über Bauernhäuser" zu „Zeitreise". Man liest es oft, wie spartanisch das damals war. Aber darin zu stehen, in der Enge, dem Geruch, dem Dunkel — das ist noch einmal etwas anderes.

Vorn die Kaskuchl — ein einziger Raum, Stampflehmboden, Balken aus roh behauenem Holz. Links ein Milchseparator der Marke Alfa Laval, mit dem die Sennerin Rahm von Magermilch trennte. Daneben ein Rahmkessel aus Messing, eine hölzerne Mulde, ein Milchbottich. An der Wand hängen Schneebesen, Kellen, kleine Holzkübel — jedes Stück Handwerkszeug, nichts Deko. Auf dem Tisch eine Emaillekanne, ein Milchkrug, eine bemalte Tasse. Davor am Boden die Holzschlapfen. Hinten in der Ecke ein Reisigbesen. Über der Tür ein Kruzifix.

Durch die offene Bretttür sieht man in die Kaskammer — den kühlen Nebenraum, in dem der Käse gereift ist.

Eine Sennerin, ein Raum, ein Sommer. Hier wurde gearbeitet, gegessen, gebetet, geschlafen. Nicht pittoresk. Arbeit, Enge, Kälte.

Dasselbe Gefühl, weniger scharf, hatte ich in den anderen Häusern auch. Nirgends aber so wie in der Alm.

Was es besonders macht

„Kein Museum, sondern Vermittler von Kultur und Geschichte"

Der Satz stammt von Markus Wasmeier selbst — aus unserem Podcast-Gespräch, das Ende April / Anfang Mai erscheint. Und er erklärt, warum sein Dorf sich anders anfühlt als die meisten Museen, die ich kenne.

Man geht durch die Häuser durch. In der Schmiede schlägt jemand Eisen, und man riecht das Feuer nicht nur unten in der Werkstatt, sondern noch eine Etage höher. Ich bin im ersten Stock über der Schmiede gestanden, und der Rauch war da oben immer noch da. So hat es früher im Haus gerochen, wenn unten einer gearbeitet hat.

Das ist der Unterschied. Nicht Vitrinen mit Schildchen, sondern ein Ort, an dem Dinge passieren und zu den Sinnen kommen.

Ein Haus genauer

Der Riederhof — das älteste Gefühl

Der Riederhof im Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee

Der Riederhof aus Geitau — ja, aus Geitau, also im Grunde um die Ecke — war das erste Gebäude, das hier wieder aufgebaut wurde. Wohnen und Stall unter einem Dach, wie damals üblich. Und als einziger Hof im Museum mit der originalen Einrichtung aus der Zeit um 1730.

Das merkt man. Der Raum wirkt nicht arrangiert, sondern einfach vorhanden. Wer sich für den Anfang der Geschichte interessiert — für die schlichteste, früheste Form des Hofs —, bleibt hier am längsten stehen.

Handwerk live

Berufe, die es kaum noch gibt

Schmied bei der Arbeit im Handwerkerhaus des Wasmeier Freilichtmuseums

Im Handwerkerhaus arbeiten sie tatsächlich. Schmied, Schuster, Schreiner, Brennerei. Keine Inszenierung für die Besucher, sondern Leute, die ihr Handwerk können und es zeigen.

Was mir dabei durch den Kopf ging: Die meisten dieser Berufe sind entweder ausgestorben oder von der Industrie so aufgesaugt, dass man sie im Alltag nicht mehr sieht. Schuhe kauft man, man repariert sie nicht. Werkzeuge kommen aus dem Baumarkt. In der Brennerei wird noch so gebrannt wie früher — in Deutschland sowieso selten geworden.

Für Kinder ist das großes Kino. Aber auch Erwachsene stehen oft zehn Minuten vor einem Amboss und können sich nicht losreißen.

Die Kapelle

Eine Dorfkapelle, vom Vater bemalt

Heilig-Kreuz-Kapelle im Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee

Die Heilig-Kreuz-Kapelle steht im Dorf wie in jedem echten bayerischen Ort auch. Platz für zwanzig Leute, drei Jahre Bauzeit, geweiht 2015. Die Deckenmalerei und die Heiligenfiguren hat Günther Wasmeier gemacht — Markus' Vater, Lüftlmaler und Restaurator. Wer sich die Zeit nimmt und hochschaut, sieht die Mariahilf-Darstellung mit den vier Evangelisten und den ländlichen Patronen.

Ein Detail, das mir aufgefallen ist: Auf der Kapelle sitzt ein Kreuz mit drei Querbalken. Das klassische Scheyrer Kreuz — das Reliquienkreuz aus Kloster Scheyern, in Bayern als Wallfahrts-Symbol weit verbreitet — hat eigentlich nur zwei Querbalken. Dieselbe Besonderheit gibt es aber an der Fischbachauer Pfarrkirche, die einen direkten historischen Bezug nach Scheyern hat. Andreas Estner, der die Region als Chronist so gut kennt wie wenige, sagt dazu: Die drei Balken seien offenbar aus regionalem Antrieb so entstanden — den genauen Grund weiß bis heute niemand. Ein stiller Eigenheits-Faden, der sich von Fischbachau bis in Markus' Museumsdorf zieht.

Einkehr

Das Wirtshaus „Zum Wofen"

Wirtshaus Zum Wofen im Markus Wasmeier Freilichtmuseum

Ehrlich: Ich war beim ersten Besuch nicht drinnen. Es war Wochenende, das Wirtshaus war voll, an den Tischen standen Reserviert-Schilder.

Wenn du am Wochenende kommst: Reservieren. Im Gewölbe gibt es achtzig Sitzplätze, das Wirtshaus ist der größte Hof des Museums, die Küche regional, das Bier kommt aus der hauseigenen historischen Schöpfbrauerei — so wurde seit dreihundert Jahren gebraut.

Nachbesuch steht im Mai im Kalender. Sobald ich das Wirtshaus selbst probiert habe, ergänze ich hier einen ehrlichen Eindruck.

Planen & Vor Ort

Wann kommen, wie lange bleiben, wo parken

Zeit einplanen. Ich war mit meiner Tochter dreieinhalb bis vier Stunden im Dorf — Häuser, Handwerk und gemütliches Durchstreifen. Das ist die Zeit, in der man alles „setzen lassen" kann, ohne zu hetzen. Unter zwei Stunden wird es eine flache Runde.

Wann kommen. Unter der Woche ist es normal besucht. Am Wochenende würde ich entweder zur Öffnung um zehn kommen — oder etwa drei Stunden vor Schließung, wenn die Tagesgäste langsam abziehen und es ruhiger wird.

Parken. Der Museumsparkplatz füllt sich an schönen Wochenenden schnell. Wenn nichts frei ist: Auf den Bahnhofsparkplatz in Neuhaus ausweichen, gegenüber vom Museumsparkplatz. Von dort sind es zwei Minuten zu Fuß.

Anreise ohne Auto. Bayerische Regiobahn (BRB) bis Haltestelle Neuhaus (Schliersee). Von Bayrischzell mit der BRB in einer Richtung, umsteigen in Schliersee.

Auch bei Regen

Einer der besten Schlechtwetter-Tipps der Region

Das Museum ist draußen — aber eben nicht nur. Fast alle Häuser sind begehbar, das Handwerkerhaus, das Wirtshaus, die Kapelle, die Ausstellungen. Wenn es regnet, hüpft man halt von Tür zu Tür.

Für Familien mit Kindern an einem verregneten Urlaubstag: der wohl beste Tipp in der Ecke zwischen Bayrischzell und Schliersee.

Über das Jahr verteilt

Im Museum ist immer wieder was los

Das Dorf lebt nicht nur von den Häusern, sondern von den Festen und Märkten, die dort stattfinden. Ein paar Termine, nach denen man für die Reiseplanung schauen kann:

Maibaumfest am 1. Mai. Aufstellen des Maibaums am Dorfplatz vor dem Wirtshaus, live-Musik, selbstgebrauter Maibock aus der museumseigenen Brauerei. 10 bis 17 Uhr.

Frühlingsmarkt mit Kranzlbinden. Saisonstart im Frühjahr, Handwerker und Floristen zeigen, wie Türkränze und Sträuße traditionell gebunden werden.

Boarischer Tanz im Juli. Bayerische Tänze zum Mitmachen, angeleitet von Tanzmeistern, mit wechselnden Musikgruppen. Für Einsteiger geeignet.

Historischer Handwerkermarkt im Oktober. Zweitägig, mit Handwerkern aus ganz Bayern — Schmiede, Korbflechter, Weber, Hafner und mehr.

Dazu über die ganze Saison verteilt: Braukurse, Holzofen-Backkurse, Kräuterführungen, Schnapsbrennen-Vorführungen. Termine und Anmeldung direkt beim Museum auf wasmeier.de .

Wenn du schon in der Ecke bist

Was sich damit gut verbinden lässt

Slyrs-Destillerie. Whisky aus dem Schliersee-Tal, wenige Autominuten vom Museum entfernt, mit Schaubrennerei und Verkostung. Ein Magnet für sich — dazu kommt bald eine eigene Seite.

Josefstaler Wasserfälle. Südlich von Neuhaus, Zugang ab Bahnhof Fischhausen-Neuhaus (Parken dort, die Josefstaler Straße ist Anliegern vorbehalten). Drei Kaskaden entlang des Hachelbachs, der erste Wasserfall nach rund zehn Minuten erreichbar, die ganze Runde knapp eine Stunde, etwa 150 Höhenmeter — leicht, familientauglich. Ich war selbst noch nicht dort, das wird eine eigene Seite, sobald ich hingekommen bin.

Schliersee spazieren. Am Ufer entlang der Bundesstraße ist es laut und nervig — ehrlich gesagt meide ich das. Schöner ist der Weg hinten am Berg entlang der Bahnstrecke, ohne Straßenlärm. Eine eigene Seite dazu folgt.

Nächste Folge — Talgeschichten

Markus Wasmeier im Gespräch

Über sein Museum, das eigentlich keines sein will, über Brauchtum als lebende Kultur, über die Häuser, die sonst verschwunden wären, und darüber, was ihn als Skirennfahrer und Doppelolympiasieger an alten Bauernhöfen fasziniert hat. Die Folge erscheint Ende April / Anfang Mai 2026 und wird hier eingebettet, sobald sie online ist.

Adresse & Infos

Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee

Brunnbichl 5 · 83727 Schliersee / Neuhaus
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Montag Ruhetag. Saison: Ende März bis Anfang November.
Erwachsene 10,90 €, Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre frei. Ermäßigungen für Schüler, Studenten und Gästekarten-Inhaber. (Preise Stand April 2026 — bitte direkt beim Museum prüfen.)

Aktuelle Veranstaltungen, Führungen und Kursangebote (Braukurs, Holzofen-Backen, Kräuterführung, Schnapsbrennen) direkt beim Museum: wasmeier.de

Mein Tipp

Nicht alles abhaken wollen. Die über zwanzig Gebäude sind kein Laufprogramm. Such dir drei, vier Häuser raus, in denen du länger bleibst — und lass die anderen einfach auf dich wirken.