Nicht nur „Frühling"

Was in Bayrischzell seit fast hundert

Jahren alles gedreht wird

Filmproduktionen in Bayrischzell und der Wendelstein-Region

Bayrischzell als Filmkulisse

Nicht nur „Frühling" — was hier alles gedreht wurde

Die meisten kennen Bayrischzell als Drehort der ZDF-Serie „Frühling". Aber die Geschichte des Ortes als Filmkulisse reicht viel weiter zurück. Seit den 1930er-Jahren entstehen hier Filme und Serien — angezogen von einer Landschaft, die offenbar seit fast hundert Jahren vor der Kamera funktioniert.

Ich habe zusammengetragen, welche Produktionen in Bayrischzell und der direkten Umgebung gedreht wurden. Manches davon weiß man nur, wenn man hier lebt — und manches hat mich selbst überrascht.

1930er Jahre

„Schlussakkord" (1936)

Ein frühes deutsches Filmdrama von Detlef Sierck — der später als Douglas Sirk in Hollywood Karriere machte — über einen Dirigenten, der nach Amerika geht, während seine Frau in Deutschland bleibt. Teile des Films wurden in den Bayerischen Alpen gedreht.

1950er Jahre

„Der Bauerndoktor von Bayrischzell" (1957)

Ein klassischer deutscher Heimatfilm von Hans Schott-Schöbinger mit Carl Wery in der Hauptrolle als polternder Landarzt Dr. Doppelsieder und Beppo Brem als Guldenhofbauer Pfundtner, der sich verzweifelt einen Hoferben wünscht. Bayrischzell ist nicht nur Kulisse, sondern steht im Filmtitel — enger geht die Verbindung zwischen Ort und Film nicht.

Für mich persönlich ein besonderer Film: „Der Bauerndoktor" lief in den 80er- und 90er-Jahren regelmäßig im Bayrischzeller Kino, das es heute leider nicht mehr gibt. Wer hier aufgewachsen ist, kennt den Film.

1980er Jahre

„Erben will gelernt sein" (1981)

Sechsteilige ZDF-Serie von Regisseur Wolfgang Schleif über zwei Frauen, die gemeinsam ein geerbtes Hotel führen müssen. Gedreht in Bayrischzell und Umgebung.

„Meister Eder und sein Pumuckl" (1982)

Gleich mehrere Folgen der legendären ARD-Serie nutzen die Region als Drehort. Am bekanntesten ist „Der erste Schnee" (Erstausstrahlung Silvester 1982), gedreht in der Bayrischzell-Region. In „Die Bergtour" sind die Talstation der Wendelsteinbahn und die Kapelle am Sudelfeld zu sehen. Wer den Ort im Winter kennt, erkennt die Kulisse sofort.

„Das As der Asse" / „L'As des as" (1982)

Und dann war da noch der Sommer 1982, als plötzlich Jean-Paul Belmondo in Bayrischzell auftauchte. Die französisch-deutsche Action-Komödie von Gérard Oury wurde offiziell in Bayrischzell und am Sudelfeld gedreht — mit spektakulären Stunt- und Straßenszenen in der Alpenkulisse. Der Stuntkoordinator war Rémy Julienne, der auch für echte James-Bond-Filme gearbeitet hat. Vielleicht hält sich deshalb im Ort bis heute hartnäckig das Gerücht, hier sei mal ein Bond-Film gedreht worden. Stimmt nicht ganz — aber die Verwechslung ist verständlich.

Der Film war 1982 der zweithöchste Kassenerfolg in Frankreich, gleich nach E.T. Wer in Bayrischzell alt genug ist, erinnert sich an die Dreharbeiten.

2000er Jahre

„Wer früher stirbt, ist länger tot" (2006)

Die bayerische Tragikomödie von Marcus H. Rosenmüller über einen Jungen, der den Sinn des Lebens sucht. Gedreht am Wendelstein — unter anderem an der Wendelsteinbahn, der Kapelle und auf der Mitteralm. Ein Film, den in Bayern so ziemlich jeder kennt.

„Das Beste kommt erst" (2007/2009)

Ein ZDF-Fernsehfilm von Rainer Kaufmann. Gedreht wurde im Herbst 2007 im Kloo-Ascher-Tal südlich von Bayrischzell, an den Gumpen und am Schliersee. Premiere beim Filmfest München 2008, TV-Erstausstrahlung im Mai 2009 im ZDF. Das Kloo-Ascher-Tal ist eines der ruhigsten Seitentäler der Region — wer es kennt, versteht, warum Filmleute dort drehen.

Hinweis: Die Folgefilme der Maillinger-Reihe — „In den besten Familien" (2012), „Beste Bescherung" (2013) und „Das beste aller Leben" (2015) — wurden nicht mehr in Bayrischzell gedreht, sondern in Oberaudorf und München.

2010er Jahre

„Frühling" (seit 2011)

Die ZDF-Serie mit Simone Thomalla, die Bayrischzell als Filmkulisse bundesweit bekannt gemacht hat. Der fiktive Ort „Frühling" wird hier seit über 70 Folgen und 15 Staffeln gedreht — mit Hauptdrehorten am Kirchplatz, im ehemaligen Café Stumpp (Café Hagen in der Serie), am Hotel Alpenrose, am Haus Antretter, am Bahnhof und am Peterhof. Weitere Drehorte liegen bei Parsberg (Miesbach), in Prien am Chiemsee und in Thiersee (Österreich). Das ist die Produktion, die den Ort bis heute am stärksten prägt. — Alles zu „Frühling" auf dieser Seite

„Wer's glaubt, wird selig" (2012)

Bayerische Komödie von Marcus H. Rosenmüller, in der ein Dorf durch eine Heiligsprechung touristisch attraktiver gemacht werden soll. Hauptdrehort war das Sudelfeld.

„5vor12" (2017)

Grimme-Preis-Gewinner und eine der ungewöhnlichsten Produktionen, die je in Bayrischzell gedreht wurden: In dieser BR/KiKA-Doku-Soap bekommen fünf straffällige Jugendliche eine letzte Chance — statt Gefängnis sechs Wochen in einer abgelegenen Berghütte ohne Strom, Wasser und Handy. Folge 1 beginnt direkt am Bahnhof Bayrischzell, wo die Jugendlichen ankommen und per Bus und zu Fuß zur Hütte gebracht werden. Zwei Staffeln mit insgesamt 24 Folgen, produziert von TV60 Filmproduktion für den BR. Ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis 2018 in der Kategorie Kinder & Jugend.

„Gipfelstürmer — Das Berginternat" (2019–2020)

ZDF-Serie über ein Eliteinternat in den Alpen. Gedreht an mehreren Orten in der Region — die genauen Drehorte in Bayrischzell wurden nie offiziell veröffentlicht.

2020er Jahre

„Die Landarztpraxis" (seit 2023)

Sat.1-Vorabendserie mit mittlerweile über 280 Folgen. Die erste Staffel wurde in Bayrischzell gedreht, danach hat die Produktion den Drehort nach Schliersee verlegt. Kurzes Gastspiel — aber es zeigt, dass die Gegend als Filmkulisse nach wie vor gefragt ist.

„Die Augenzeugen" (2024)

ARD-Thriller-Miniserie in sechs Folgen von Regisseurin Anna-Katharina Maier, mit Nicolette Krebitz und Lucas Gregorowicz. Hauptdrehort war Bayrischzell, weitere Szenen entstanden in Kitzbühel und München. Die Dreharbeiten fanden 2022 statt, die Ausstrahlung folgte 2024/25.

„Woodwalkers" (2024) und „Woodwalkers 2 — Gefährliche Fremde" (2026)

Fantasy-Filmreihe basierend auf den Romanen von Katja Brandis. Der erste Teil (Regie: Damian John Harper) wurde 2024 in der Wendelstein-Region gedreht. Der zweite Teil (Regie: Sven Unterwaldt Jr.) kam im Januar 2026 in die Kinos, gedreht in Bayern und Tirol.

Alle Produktionen auf einen Blick

Chronologische Übersicht

Jahr Titel Format Drehort
1936 Schlussakkord Kinofilm Bayerische Alpen
1957 Der Bauerndoktor von Bayrischzell Kinofilm Bayrischzell
1981 Erben will gelernt sein ZDF-Serie, 6 Folgen Bayrischzell
1982 Pumuckl — Der erste Schnee / Die Bergtour ARD-Serie Bayrischzell, Wendelsteinbahn, Sudelfeld
1982 Das As der Asse (mit Belmondo) Kinofilm Bayrischzell, Sudelfeld
2006 Wer früher stirbt, ist länger tot Kinofilm Wendelstein, Mitteralm
2007 Das Beste kommt erst ZDF-Film Kloo-Ascher-Tal, Schliersee
seit 2011 Frühling ZDF-Serie, 70+ Folgen Bayrischzell (Hauptdrehort)
2012 Wer's glaubt, wird selig Kinofilm Sudelfeld
2017 5vor12 (Grimme-Preis) BR/KiKA-Serie, 24 Folgen Bayrischzell (Bahnhof, Berghütte)
2019 Gipfelstürmer — Das Berginternat ZDF-Serie Region Bayrischzell
2023 Die Landarztpraxis Sat.1-Serie Bayrischzell (nur Staffel 1)
2024 Die Augenzeugen ARD-Miniserie, 6 Folgen Bayrischzell, Kitzbühel, München
2024 Woodwalkers Kinofilm Wendelstein-Region
2026 Woodwalkers 2 — Gefährliche Fremde Kinofilm Bayern, Tirol
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Wenn du weißt, dass in Bayrischzell oder der direkten Umgebung noch etwas gedreht wurde, das hier nicht steht — schreib mir. Ich ergänze die Liste gern.